Warum haben wir Vorurteile?

Warum wir alle nicht frei von Vorurteilen sind, wie diese entstehen, wie wir sie abbauen können und wann sie gefährlich für unsere Gesellschaft werden.




Was sind Vorurteile?


Vorurteile sind stabile negative Einstellungen gegenüber Gruppen bzw. Personen, die dieser Gruppe angehören. Vorurteile beruhen oftmals nicht auf eigenen Erfahrungen, sondern werden übernommen. Besonders schwache Persönlichkeiten sind anfällig für Vorurteile.


Vorurteile sind allgegenwärtig und begeben uns überall im Alltag und sie betreffen nicht immer nur Minderheiten.


Menschen in Schubladen zu stecken, ist praktisch und kann helfen, sich einen Überblick zu verschaffen und Situationen einzuschätzen.


Wir lernen früh Unterschiede zwischen Mann und Frau, dass das es Menschen mit anderer Hautfarbe oder Religion gibt. Fast automatisch ordnen wir Angehörige, Freunde und Unbekannte dann in eine Schublande ein und das kann dann zu Vorurteilen führen.

Manche Menschen habe eine negative Einstellung gegenüber Arbeitern, anderen gegenüber Vorstandsmitgliedern großer Unternehmen. Tatsache ist, dass niemand von Vorurteilen völlig verschont bleibt. Vorteile sind aber auch gefährlich. Sie können zu extremen Hass führen und dazu, dass Menschen dieser Gruppe als Untermenschen angesehen werden. Das kann im schlimmsten Fall zu Folter, Mord und sogar Völkermord führen.

So schlimm muss es aber gar nicht kommen! Bei Betroffen nimmt oft das Selbstwertgefühl ab, dass eine sehr wichtiger Faktor in unserer Entwicklung ist.


Der Grundstein für ein geringes Selbstwertgefühl wird bei Betroffenen bereits früh im Leben gelegt. Ein Experiment der Sozialpsychologen Kennt Clark und Mamie Clark aus dem Jahr 1947 zeigte, dass afroamerikanische Kinder, bereits teilweise im Alter von drei Jahren, davon überzeugt waren, dass es gesellschaftlich schlechter ist, schwarz zu sein.


Die Kinder hatten in dem Experiment die Wahl, mit einer weißen oder schwarzen Puppe zu spielen. Die meisten Kinder lehnten die schwarze Puppe ab, da sie die weiße hübscher und besser fanden.

Diese Experiment zeigt also, dass die Rassentrennung von afroamerikanischen Kindern aus psychologischer Sicht bereits im frühen Kindesalter irreparable schwere Schäden hinterlassen hat.


Der Psychologe Philip Goldberg konnte 1964 nachweisen, dass amerikanische Frauen gelernt hatten, Männer intellektuell höher zu bewerten.

Hierzu bat er seine Studierenden wissenschaftliche Artikel zu lesen und sie hinsichtlich ihrer Qualität zu beurteilen. Alle erhielten den selben Artikel, der aber entweder von einem Autor oder einer Autorin unterzeichnet war. Am Ende zeigte sich, dass die weiblichen Studieren den Artikel viel besser beurteilten, wenn er einer Autor und nicht einer Autorin zugeschrieben war.



Was kannst du dafür tuen, dass Vorurteile abgebaut werden?


Der erste Schritt ist, dass du Vorurteile im Alltag erkennst. Niemand ist frei von ihnen.

Jeder Mensch hat gegenüber Personen aus einer anderen Gruppen Vorurteile, die aber nie auf alle Mitglieder dieser Gruppe zutreffen. Dieses Bewusstsein zu haben, dass Vorurteile oft aus falschen Information bestehen, ist einer der größten und wichtigsten Schritte.


Im zweiten Schritt versuche drauf zu achten, dass Vorurteil nicht dein Verhalten bestimmten. Vorurteile dürfen nicht dazu führen, dass andere Menschen diskriminiert werden und achte darauf, dass du deine eignen Vorurteile nicht verbreitest.


Und Schritt drei: Widersprich!, wenn in deinem Umfeld jemand andere Menschen verletzt oder ganze Gruppen beleidigt und versucht, sie aufgrund eines Vorurteils in eine bestimmte Ecke zu stellen. Gehe aktiv dagegen an! Widersprich in deinem eigenen Bekannten- und Freundeskreis, widersprich in den sozialen Medien.

Wie kannst du das am besten tuen?

Du kannst beispielsweise nachfragen, was das soll!. Du kannst mit anderen Menschen diskutieren oder dich auf andere Weise einbringen. Bei verletzenden oder beleidigenden Vorurteilen zeig deutlich, dass du das nicht in Ordnung findest und wo die Grenzen sind.


Warum ist es so wichtig, dass in einem Land die gleichen Rechte für alle Personen gelten?


Stell dir vor, was es bedeutete, wenn in deinem Land nicht für jeden Menschen die gleichen Rechte gelten. Das bestimmte Gruppe von Menschen sich nicht frei äußern und z.B. ihre sexuelle Orientierung leben dürfte.

Ist das dann nicht so, dass diese Menschengruppe immer wieder benachteiligt und diskriminiert würden? Ist das eine Gesellschaft in der du leben willst?

Ich möchte hierbei gerne anmerken, dass mit inkrafttreten des deutschen Grundgesetzes 1949 die verfolgen Gruppen des Nationalsozialismus in Zukunft geschützt werden sollten, aber die Homosexuellen immer noch die einzige verfolgte Gruppe ist, deren Rechte über 70 Jahre später immer noch nicht im Grundgesetz festgelegt sind.


Im Hinblick auf die aktuelle Situation von LGBT-Rechten in Europa, finde ich es sehr traurig und bedenklich, dass der Gesetzentwurf zur Änderung Art. 3 Grundgesetz trotz über 80.000 Petitions-Stimmen in der letzen Legislaturperiode einfach von der Tagesordnung gestrichen und die Abstimmung von der Regierungskoalition im Bundestag blockiert wurde.


Ab wann sind Vorurteile gefährlich?


Unsere Geschichte hat uns deutlich gezeigt, wohin es führen kann, wenn Vorurteile verbreitet werden. Etwa, wenn Politiker sie nutzen und damit Stimmen gewinnen wollen. Oder wenn eine Regierung auf der Grundlage von Vorurteilen Gesetze gegen eine bestimmte Gruppe erlässt.

Das führt dazu, dass Menschen noch mehr ausgegrenzt und verfolgt werden und die Regierung bestärkt Täter von Diskriminierung und legitimiert deren Taten.

Und dann können Vorurteile lebensbedrohlich werden!


Augen auf! Für eine Gesellschaft der Zukunft in der sich jeder frei entfalten, friedlich und sicher leben kann!

Unsere Geschichte hat uns deutlich gezeigt: Nie wieder dürfen politische und gesellschaftliche Stimmungslagen zur Gefahr für die Freiheit und Würde von Menschen werden.


Wenn du sehen willst, wie Hass gegen Homosexuelle enden kann, schau dir gerne mal den

Film ,,Welcome to Chechnya" der unter dem deutschen Titel ,,Achtung Lebensgefahr" bis 17. Juli 2021 in der Arte-Mediathek zu finden ist an.