• Christian Gersbacher

Wie Diskriminierung uns allen schadet und jährlich Milliarden kostet



Gründe für Diskriminierung gibt es viele: Sei es das Aussehen, die ethische Herkunft, eine Krankheit oder Behinderung, das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung.

Diskriminierung schadet nicht nur Minderheiten, sondern unserer gesamten Gesellschaft und zwar nachhaltig. Sie spaltet unserer Gesellschaft, schadet der Gesundheit von Betroffenen und kostet uns jährlich Milliarden. Die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch Mobbing und Diskriminierung entstehen, liegen nach Schätzungen des DGB jährlich bei über 15-25 Milliarden Euro. Obwohl wir erheblicher Fortschritte in den vergangen Jahrzehnten erlangen konnten, besteht für die Gleichstellung von Menschen, die von Diskriminierung und Hass betroffen sind, noch immer großer Nachholbedarf.

Die Entwicklungen in anderen europäischen Ländern wie Polen und Ungarn war ein klarer Weckruf: Hier werden irrsinnigen Gesetzen gegen LGBTQ*, die wissenschaftliche völlig haltlos sind, zur Sicherung eigener politischer Machtinteressen missbraucht.

Diskriminierung ist ungerecht, weil sie Menschen für etwas bestraft, für das Sie selbst nichts können und das sie sich nicht ausgesucht haben.
Diskrimierung schadet unserer gesamten Gesellschaft auf unterschiedlichen Ebenen:

Auf der individuellen Ebene kann das Gefühl von eine Herabwürdigung zu Angststörungen, Depressionen oder erhöhter Suizidalität führen. Dieses Gefühl des geminderte Selbstwertes führt daraufhin zu einer geminderten Leistungsfähigkeit der Betroffenen. Auf der gesellschaftliche Ebene verursacht Diskrimierung Kosten, aufgrund der vermindertet Leistungsfähigkeit und der verminderten Ausschöpfung von Ressourcen.


Photo by Etty Fidele

Wegen der Benachteiligung von Afroamerikanern und Latinos haben die USA seit 1990 rund 50 Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung eingebüßt.

Eine Untersuchung von vier Ökonominnen, darunter Mary Daly, Präsidentin der Regional-Notenbank von San Francisco, kommt zu dem Ergebnis, dass unter der Ungleichbehandlung keineswegs nur die direkt betroffenen Gruppen leiden, sondern dass sich auch der Bevölkerungsmehrheit schadet. Die Expert*innen liefern dazu eine konkrete Zahl: Ihrer Studie zufolge hat die gravierende ökonomische, soziale und gesellschaftliche Ungleichheit im Land die Vereinigten Staaten in den vergangenen 30 Jahren kaum mehr vorstellbare 51 Billionen Dollar (rund 43 Billionen Euro) an Wirtschaftsleistung gekostet.


Deutschland hinkt im europäischen Vergleich hinterher

Deutschland hinkt innerhalb der Europäischen Union zurück, was den Bereich Anti-Diskriminierung angeht. Wir sind selbst bei der Öffnung der Ehe vor mehr als vier Jahren hinterhergehinkt: Andere Länder waren auch da deutlich schneller.



Diskriminierung ist eine Verletzung der Menschenrechte

Der Diskriminierung liegt meist die falsche Vorstellung zugrunde, es handle sich dabei um minderwertigere Menschen. Diese Vorstellung verletzt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die in ihrem Art. 1 die Gleichwertigkeit aller Menschen ohne Unterschied nach ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion, Alter, Gesundheitszustand und weiteres proklamiert.


Der Sündenbock Effekt

Der Sündenbock Effekt ist Bestandteil der Theorie des Gruppenkonfliktes (Allport, 1954; Gemmill, 1989). Menschen neigen dazu, wenn sie frustriert und unglücklich sind Aggressionen gegen Gruppen zu richten, die unbeliebt und relativ machtlos sind.

Wenn wir andere Menschen diskriminieren erzeugen wir automatische ein Überlegenheitsgefühl. Dies kann uns das Gefühl geben mehr Macht und Einfluss zu erlangen. Dieser Effekt war u.a. Grundlage für die Verfolgung von jüdischen Menschen im Dritten Reich: Sie wurden die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich zu machen. Dabei waren sie leicht zu identifizieren und nicht in der Lage sich zu wehren oder zurückzuschlagen und damit die ideale Opfergruppe.


Gefahr durch Spaltung der Gesellschaft

Wenn Vorurteilen gegenüber Gruppen in großen Maßstäben in Medien verbreitet werden, können diese sehr gefährlich werden. Dann besteht die Gefahr, dass immer mehr Menschen daran glauben. Vor allem, wenn nicht genug Widerspruch entgegengebracht wird.

Die Geschichte hat deutlich gezeigt, wohin es führen kann, wenn Vorurteile verbreitet werden. Wenn z.B. Politiker damit Stimmen gewinnen oder wenn eine Regierung auf der Grundlage von Vorurteilen Gesetze gegen eine bestimmte Gruppe erlassen. Dies führt dazu, dass Menschen ausgegrenzt und verfolgt werden. Und dann sind Vorurteile im großen Maße lebensbedrohlich. Es braucht klaren Mut und der Wille zum Aufbruch. Wir müssen uns den schädlichen Wirkung von Diskriminierung bewusst werden und dieser entschieden und nachhaltig entgegenwirken.