• Christian Gersbacher

Márk Lakatos- Ikone der LGBTQ* Bewegung in Ungarn

Im Juni 2021 beschloss das ungarische Parlament unter Viktor Orbán ein Gesetz, das die Darstellung von Homosexualität gegenüber Minderjährigen verbietet. Wie steht es um die Akzeptanz von LGBTQ* in Ungarn gerade? Ein Gespräch mit dem Schauspieler und Aktivisten Márk Lakatos aus Budapest.

Foto: Márk Lakatos


Márk gilt in Ungarn als Vorbild für die ungarische LGBTQ* Community. Inzwischen ist er zu einer Ikone für eine ganze Generation von LGBTQ* geworden.

Nicht nur die Einschränkungen der LGBTQ* Community sind in Ungarn ein großes Problem. Auch die freie Berichterstattung in Medien wird seit Jahren immer mehr eingeschränkt. Die öffentlich-rechtlichen Medien wurden bereits kurz nach Orbáns Machtantritt 2010 auf Regierungslinie gebracht, die meisten privaten unabhängigen Medien seitdem von regierungsnahen Geschäftsleuten aufgekauft. Die Organisation Reporter ohne Grenzen führt das Land auf Platz 92 der Rangliste der Pressefreiheit. 80 Prozent der ungarischen Medien befinden sich heute in staatlicher Hand.


Márk, was bedeutet es für dich als offen homosexueller Mann in Ungarn zu leben?

Hast du selbst schon Anfeindungen erlebt?


Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens, da ist es normal auch immer mal Anfeindungen und Kritik ausgesetzt zu sein. Ich würde sagen, dass Ungarn gerade sehr gespalten ist, was die Akzeptanz von queeren Menschen angeht. Es gibt einen Teil der Menschen in Ungarn, die sehr liberal und offen sind. Der andere Teil ist sehr traditionell, religiös und poltisch rechts geprägt.


Die Einführung und die kontroverse Diskussion über des Anti-LGBTQ* Gesetz hat im letzen halben Jahr für eine deutliche Zunahme von Hass und Aggression gegenüber queeren Menschen in Ungarn in den Medien und auf Social Media geführt.

Diese Gesetz, dass unsere Rechte einschränkt, wird in Ungarn ,,Kinderschutzgesetz“ genannt. Man sagt, die LGBTQ* Bewegung wäre eine Propaganda, die aus dem Ausland gesteuert wird, um Ungarn zu schwächen. Homosexualität wird bewusst mit Pädophilie in Verbindung gebracht. Die Regierung vermischt bewusst den Schutz von Kindern mit sexueller Vielfalt. Und gegen Ersteres kann niemand sein.


Quelle: 06.11.2021 ARD-Mediathek NDR


Márk hat seine eigene T-Shirt Kollektion ,,Adult Content" gestartet und möchte damit ein politisches Statement für die Akzeptanz und Sichtbarkeit von LGBTQ* in Ungarn setzen. Der Erlös der verkauften T-Shirt geht an die führende ungarische LGBTQ* Organisation Hatter.


Márk wie kamst du auf die Idee, die T-Shirt Kampagne ,,Adult Only" zu starten?


Hintergrund der Aktion war die Einführung des Anti-LGBTQ* Gesetz in Ungarn letzen Sommer. Daher kam mir die Idee uns als ,,Inhalte für Erwachsene“ zu kennzeichnen. Statt Menschen auszugrenzen und sie unsichtbar zu machen, sollte wir lieber auf Aufklärung setzten. Gemeinsam mit vielen prominenten Unterstützer*innen wollen wir ein klares Zeichen für mehr Sichtbarkeit setzten und zeigen, dass sich LGBTQ* in Ungarn nicht verstecken müssen. Auch einige Infulencer*innen und Schauspieler*innen aus Deutschland haben auf die Aktion aufmerksam gemacht.

Foto: Attila Udvardy / index.hu


Gibt es einen Unterscheid zwischen Städten wie z.B. Budapest und den ländlichen Gemeinden?


Ja, es ist ein sehr großer Unterscheid. Budapest ist eine internationale und sehr liberale Stadt. Hier gibt es auch jedes Jahr eine große Pride. In ländlichen Regionen sieht das ganz anders aus. Das Problem ist, dass die Menschen auf dem Land teilweise sehr arm sind und über eine schlechte Bildung verfügen. Sie informieren sich ausschließlich über staatliche Medien, die durch Desinformation und Hetze gegenüber LGBTQ* versuchen die Menschen zu manipulieren. Umfragen in Budapest hingegen zeigen, dass die Menschen sehr offen gegenüber LGBTQ* eingestellt sind.


Es werden durch Orbans Politik nicht nur die Rechte von LGBTQ* untergraben, sondern auch jene von Frauen: Finanzielle Anreize für Eheschließungen und Familiengründungen, wie von der Regierung verabschiedet, fördern patriarchale Strukturen und konservative Rollenbilder.


In Polen spielt auch die katholische Kirche einen großen Einfluss bei der Anti-LGBTQ* Bewegung. Wie ist die Situation ist Ungarn?


In Ungarn ist die Situation etwas anders, wie in Polen. Die Kirche ist hier deutlich zurückhaltender und äußerst sich nicht viel zu LGBTQ* Themen. Aber die Mehrheit der Kirchen unterstützt den politischen Kurs von Victor Orban.


Sollte die EU mehr gegen den Anti-LGBTQ* Kurs von Viktor Orbán tun?

Ich bin vor allem der Meinung, dass die LGBTQ* Community in Europa mehr tuen sollte. Aber auch die EU ist gefragt. In der europäischen Grundrechtscharta ist festgelegt, dass niemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf. Ungar ist ein Land der EU und hat sich zu diesen Werten verpflichtete also muss es sich auch an diese Vorgaben halten. Die EU hat also sicherzustellen, dass die Rechte von Menschen in den Mitgliedstaaten auch eingehalten werden.

Podcast Interview mit Zita von der Budapest Pride und Márk Lakatos zur ungarischen LGBTQ Politik: DE/EN


Mein Interview über die aktuelle Situation von LGBTQ* in Ungarn findest du auf Spotify.


Anmerkung Ungarisches Anti-LGBTQ Gesetz: Im Juni 2021 beschloss das ungarische Parlament unter Viktor Orbán ein Gesetz, das die Darstellung von Homosexualität gegenüber Minderjährigen verbietet. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche in Schulen nicht mehr über LGBTQ* Themen aufgeklärt werden dürfen. Inhalte, die LGBTQ* in Büchern und Filmen zeigen, sind erst ab 18 Jahren erlaubt. Die ungarische Regierung argumentiert das Gesetz diene zum Schutz von Minderjährigen vor Pädophilie. Unter dem Namen ,,Kinderschutzgesetz" ist am 03. April 2022 ein Referendum über dieses Gesetzt geplant. Am gleichen Tag finden in Ungarn auch die Parlamentswahlen statt.


Mehr Infos zu Márk Lakatos:


Internetseite: http://marklakatos.com

ARD-Doku: https://www.ardmediathek.de/video/das/mark-lakatos-ungarischer-schauspieler-undaktivist/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS82ZDc1YTY2Yy1hZmE3LTQ1NjktOGFlNi1jZWE3YjhiYzI2NDk/

T-Shirt Kampange: https://www.forbes.com/sites/stephanrabimov/2021/07/29/how-mark-lakatoss-adult-content-fashion-became-a-political-statement-in-hungary/?sh=7ef257572c82