• Christian Gersbacher

Hasskriminalität gegenüber LGBTQ*: Vier junge Politiker aus Berlin im Interview


Was sollte die Poltik gegen die steigende Hasskriminalität gegenüber LGBTQ* in Deutschland tuen. Nachgefragt bei vier jungen Politiker*innen aus Berlin.

Louis Krüger, Direktkandidat im Wahlkreis Pankow 5, Bündnis 90 / Die Grünen Berlin


Selbstbestimmt, frei und solidarisch – so stelle ich mir unser Land vor. Alle Menschen sollen hier leben können, wie sie wollen. Egal wen sie lieben, egal welches Geschlecht sie haben.

Aber noch immer gehört Diskriminierung zum Alltag vieler Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* und nicht-binären Menschen und anderer Queers. Deshalb müssen wir uns auf verschiedenen Ebenen einsetzen, um Hass und Gewalt gegen queere Menschen zu beenden.Dafür braucht es Aufklärung von Anfang an. Eine inklusive Gesellschaft braucht inklusive Kitas und Schulen, in denen aktive Aufklärung über queere Sexualität, Vielfalt der Geschlechter und Antidiskriminierung betrieben wird. Die Queer-, Gender- und Diversitätsforschung an den Hochschulen soll dafür weiteres Wissen liefern.

Außerdem müssen wir Schutzräume und queere Infrastruktur erhalten und schaffen, um Möglichkeiten zum Rückzug, Austausch und gegenseitigen Empowerment für alle zu schaffen. Zivilgesellschaftliche und öffentliche Hilfestrukturen für LSBTIQ* gehören dabei genauso dazu wie Clubs, Bars, Jugendzentren und Wohnprojekte.

Fälle von Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen müssen umfassend erfasst und konsequent verfolgt werden. Spezielle Ansprechpersonen in der Polizei und Staatsanwaltschaft sowie zivile Anlaufstellen spielen dabei eine wichtige Rolle. Zudem braucht es rechtliche Grundlagen, die queerfeindliche Gewalt als solche verfolgbar machen.

Gemeinsam können wir uns dem Hass entgegenstellen.



Julius Grottke, Student und Kandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus, FDP Junge Liberale


Der Berliner Student Julius Grottke (FDP) ist der jüngste Kandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus. Wir brauchen eine Politik gegen jegliche Gewalt gegen Homosexuelle, Transsexuelle und jeglicher Mitglieder der LGBTQI*-Community, sagt Julius.

Zudem will er sich dafür einsetzen, dass das Adoptionsrecht liberalisiert wird. Homosexuelle Paare sollen unbürokratisch gemeinsam und auch alleinstehend adoptieren können.

Der Berliner Student will, dass Gewaltpräventionsarbeit und gesundheitliche Aufklärung in Schulen, Jugendeinrichtungen, Sportvereinen und anderen Institutionen als diskriminierungsfreie Aufklärungsarbeit gestaltet wird und nicht, wie so gerne, das klassische Bild einer Familie und die Ignoranz gegenüber Aufklärung im Vordergrund steht.


Hass und Gewalt dürfen in Berlin keinen Platz haben. Die Politik muss endlich eine zentrale Anlaufstelle für Queer-Menschen schaffen, um Gewalttaten aufzudecken und gezielt jene strafrechtlich zu verfolgen.

Es ist endlich an der Zeit, jetzt zu handeln und zu zeigen, dass Hass nie eine Lösung ist. Die Politik darf nicht länger ihre Augen verschließen.



Bejamin Körner, Student und Vorsitzender Volt Brandenburg


Ich glaube, eines der wichtigsten Mittel ist Sichtbarkeit. Einerseits brauch es LGBTQ* Angehörige bspw. im Bundestag oder in der Bundesregierung, damit auch die letzten querfeindlichen Menschen merken, dass wir dazugehören und daran auch überhaupt gar nichts schlimm ist. Andererseits halte ich das auch gerade wichtig für junge Menschen, die sich über ihr Gender oder ihre sexuelle Identität unsicher sind. Sich selbst zu akzeptieren ist einfacher, wenn man tagtäglich sieht, dass man nicht allein ist.

Ich finde es wichtig, dass wir bereits im Schulunterricht mit Aufklärung anfangen- und das in allen möglichen Fächern. Dazu ist es vermutlich nötig, die Lehrer*innen entsprechend fortzubilden, da auch deren Bildung zum Teil aus einem anderen Jahrhundert kommt. Es muss für alle klar werden, dass es völlig normal ist, schwul oder lesbisch etc. zu sein.



Tilmann Friedrich, Student und Mitglied bei Die Linke Spandau


Der Anstieg der Hasskriminalität gegenüber LSBTIQA* zeigt, wie auch Menschen während der Pandemie unter den Tisch gefallen sind.


Ihnen fehlen Kulturraum, Anerkennung und der unbedingte Zugriff auf ihre Rechte. LGBTQ* müssen als selbstverständlicher Teil der gesellschaftlichen Realität gesehen und anerkannt werden. Wir brauchen einen finanziellen Schutzschirm für die Strukturen und Einrichtungen der queeren Communitys.Bei der Vergabe von öffentlichen Fördermitteln sollten wir strukturelle Diskriminierung verhindern. Queere Projekte sollen in gleichem Umfang gefördert werden! Wir brauchen mehr queere Bildungsangebote in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die Selbsthilfe- und Aufklärungsprojekte der LSBTIQA*-Communities müssen unterstützt und gefördert werden, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen.