Geldbeutel der Eltern entscheidet über Bildungschancen




,,Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung!“ John. F. Kennedy


Jedes 5 Kind, also rund 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland wachsen in Armut auf und sind damit die am stärksten von Armut betroffene gesellschaftliche Altersgruppe!


Das es in einem wohlhabenden Land wie Deutschland Kinderarmut gibt und das deren Rate seit 1990 stärker gestiegen ist, als in den meisten entwickelten Industriestaaten, ist eine Schande. Wenn wir es heute nicht schaffen, Kinderarmut wirkungsvoll zu bekämpfen, schaffen wir uns die Probleme von morgen.


Welche Folgen hat Kinderarmut und wie können wir ihr entgegenwirken?


Der größte Wusch in meiner Kindheit war, einfach dazuzugehören und nicht darüber nachdenken zu müssen, ob ich mit meinen Freunden ins Schwimmbad oder Kino gehe oder in einem Sportverein Mitglied sein kann.

Es ist ein mieses Gefühl, wenn du nicht mehr zum Tennis, Fußball oder Tischtennis kommen darfst, weil deine Mutter wieder die Beträge nicht bezahlt hat.

,,Obwohl ich ein sehr guter Schüler war, habe ich meine Schullaufbahn mit 16 Jahren nach der mittleren Reife beendet, weil ich kein Bock mehr hatte, nicht zu wissen wie ich mir etwas zu essen kaufen soll"

Folgen von Kinderarmut


Runde 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gelten in Deutschland als arm.


Nach der UNICEF-Vergleichsstudie ,,Child Poverty in Rich Countries“ liegt Deutschland damit im internationalen Vergleich im Mittelfeld der wirtschaftlich Entwicklungen Staaten.

In den USA liegt die Rate für Kinderarmut bei mehr als 20 %, in den skandinavischen Ländern nur bei 2,5-4 %.


Wann gilt ein Kind als arm?


Sozialstaatlich definierte Armutsgrenze: Kinder gelten als arm, die in einem Haushalt leben, der Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch – Grundsicherung (Hartz IV) erhält.


Relative Einkommensarmut: Kinder gelten als armutsgefährdet, die in Hausalten leben, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median des Haushaltsnettoäquivalenzeinkommens) aller Haushalte beträgt.


Chancengerechtigkeit und Teilhabemöglichkeiten müssen für alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern gelten, Die Folgen von Kinderarmut sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar, aber wir wissen, dass Armut negative Folgen auf Gesundheit, Bildung und Teilhabe hat und sich damit negativ auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirkt und zu einem stärkeren Auseinanderdriften der Gesellschaft führt.


Wenn Kinderarmut frühzeitig entgegengewirkt wird, können erkannte Einschränkungen mit geringem Aufwand aufgefangen und gelöst werden. Die Kinder selbst haben noch wenig Problembewältigungsmöglichkeiten und sind daher auf Unterstützung von außen angewiesen. Oft können Eltern, die selbst viele Probleme haben oder krank sind, diese Unterstützung nicht geben und die Kinder sind mit ihren Sorgen alleingelassen.


Generell gilt: Je früher und schutzloser Kinder einer Armutssituation ausgesetzt sind, desto geringer sind die Möglichkeiten, individuelle die eigenen Potenziale herauszubilden und die eigene Zukunft zu gestalten.

Umgekehrt zeigt sich, desto gefestigter die finanzielle Situation der Familie ist, desto sicherer sind die Entwicklungsmöglichkeiten und Bilungschancen für die Kinder.


Armut kann für Kinder verherende Folgen haben:


  • Gesundheitliche Auswirkungen: Arme Kinder weißen öfters Einschränkungen bzw. Auffälligkeiten auf oder sind anfälliger für Krankheiten und zeigen körperliche Entwicklungsrückstände. Sie ernähre sich ungesünder, haben mehr Gewichtsprobleme und häufig einen bedenklichen Medienkonsum sowie frühzeitigen Kontakt zu Suchtmittel (Zigaretten, Alkohol)


  • materielle Grundversorgung: Bei armen Kinder kommt es überdurchschnittlich oft zu einem Mangeldasein z.B. keine eigene Raum zum Rückzug haben, Einschränkungen bei der Kleidung und/oder beim Spielzeug oder kein eigenes Fahrrad haben und kein Zugang zu Büchern oder Tageszeitungen. Die Teilnahme an Urlauben und Freienaktivitäten ist nicht möglich.


  • kulturelle Auswirkung: Arme Kinder haben im Vergleich zu Gleichaltrigen weitaus weniger altersmäßige Erfahrungsmöglichkeiten. Nur 36 % der sozialschwachen Kinder nutzen Vereinsmitgliedschaften, nehmen an freiwilligen Kursen inner- und außerhalb der Schule teil oder nutzen Informationsmöglichkeiten durch Bücher oder das Internet. Bei Kinder aus nicht-sozialschwachen Familien nutzen diese Angebote über 70 %.


  • soziale Auswirkungen: Arme Kinder schämen sich oft für ihre Situation und bringen seltener andere Kinder mit nach Hause und feiern seltener ihren Geburtstag. Durch die mangelnde Teilnahme am Vereinsleben können Sie deutlich weniger soziale Kontakte knüpfen. Eine Studie der AWO zeigte, dass Kinder aus sozialschwachen Familien im Alter von 6-12 Jahren ein deutlich schlechtes soziales Netz aufweisen, als Gleichaltrige. Sie haben kaum Zugang zu kulturellen Angeboten und klassischen Angeboten für Jugendliche.


Eine Studie der Bertselmann Stiftung des Jahres 2019 zeigt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien deutlich häufiger Defiziten im Bereich der Sprache oder Mathematik bei der Einschulung im Vergleich zu Gleichaltrigen aufweisen.


Von 100 Kindern, die niemals in Armut gelebt haben, schaffen 36 den Sprung auf das Gymnasium. Von 100 Kindern mit Armutserfahrung nur 12. (Langzeitstudie des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik)


In Sachen Studium zeigt sich, dass von 100 Jugendlichen aus Akademikerfamilien 76 ein Univeritätsstudium aufnehmen. Von 100 Jugendlichen aus Nichtakademikerhaushalten tuen es nur 23.

Diese Jugendliche sind nicht von Natur aus weniger ehrgeizig und fleißig als Menschen mit Akademikerhintergrund oder Opfer einer ,,falschen“ Erziehung. In Wahrheit wird hier die Ungerechtigkeit in unserem Bildungssystem deutlich, die es dringend gelöst werden sollte.


Gute Bildung ermöglicht Kindern im späteren Erwachsenenalter ein geregeltes Leben zu führen. Es schütz vor Armut und führt deutlich weniger zu kriminellen Verhalten.

Daher ist gute Bildung nicht nur für die Kinder selbst, sondern auch für unsere Gesellschaft enorm wichtig.


,,Der Geldbeutel deiner Eltern darf nicht über deine Bildungschancen entscheiden"

Für die Bekämpfung von Kinderarmut müssen wir die Ursachen verstehen um wirkungsvolle Maßnahmen entwickeln zu können. Ich fordere daher:


Mehr Ganztagsschule, Kinderbetreuungseinrichtungen und Hortplätze


Gerade Kinder von Alleinerziehenden sind überdurchschnittlich oft von Kinderarmut betroffen. Kinder sind arm, wenn ihre Familien bzw. ihre Mütter arm sind. Deshalb fängt die Bekämpfung der Kinderarmut im Erwerbsleben an. Es braucht eine besser Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Noch immer fehlt zahlreichen Eltern in Deutschland eine Versorgung mit öffent­lichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Erheblich mehr Ganztagsschulen, die nach Vollendung des ersten Lebens­jahres beitragsfrei zur Verfügung gestellte Krippen­, Kindergarten­ und Hortplätze, hätten einen doppelten Effekt: Kinder aus sozialschwachen Familien könnten umfassender betreut und geförderteren und ihre Eltern können leichter einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen.


Gebt den Kinder und Jugendlichen eine Stimme!


Wir sollte zudem die Kinder und Jugendlichen selbst fragen, was für sie zu einem guten Aufwachsen und zur Teilhabe zu einer ,,normalen" Kindheit und Jugend dazu gehört.

Bisher fehlt diese Wissen vollständig aber gerade Kinder und Jugendliche haben viel spezifisches Wissen als Experten/innen. Die Ergebnisse einer solcher Befragungen könnten wertvolle Daten für Konzepte für eine kind- und jugendgerechte Bildung, Familien und Sozialpolitik liefern. Die meisten Experten und Wissenschaftler die Konzepte gegen Kinderarmut entwicklen, haben selbst nie in Kinderarmut gelebt!

Arbeitsgemeinschaften (AG) in Schulen, in denen Kriterien für einen wertschätzenden Umgang miteinander festgelegt werden, können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche aus sozialschwachen Familien nicht ausgegrenzt werden.


Starker Ausbau von Schulsozialarbeit


Um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu erreichen, muss die Schulsozialarbeit ausgeweitet und mittels einer bessere Ausstattung an Ressourcen­ in die Lage versetzt werden, den Betroffenen wirksam direkt vor Ort zu hel­fen.

Oft schämen sich Kinder und Jugendliche aus sozialschwachen Familien für ihre Situation und getrauen sich nicht Hilfe zu suchen. Die Schule ist die optimale erste Anlaufstelle um mit diesen Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen.


Wenn wir Kinderarmut nicht wirksam bekämpfen, schaffen wir uns die neuen Probleme von morgen.

Was denkst du können wir tuen, dass auch Kinder aus sozialschwachen Familien Zugang zu Büchern oder Zeitungen erhalten und am gesellschaftlichen Vereinsleben teilnehmen können?


Könnten durch Mentoringprogramm von älteren Schülern Kinder aus sozialschwachen Familien geholfen werden? Kann ein lokaler Verein durch eine Förderfonds oder Spenden einem sozialschwachen Kind die Mitgliedsbeitrag erlassen? Wie können wir uns ohne Geld und ohne neue Gesetze helfen?