Europa der Vielfalt und Toleranz 2021 wo bist du?




Das Anti-LGBT-Gesetz in Ungarn und die aktuelle Situation bezüglich der LGBT freien Zonen in Polen zeigt, wie dringlich der Handlungsbedarf für ein tolerantes und offenes Europa der Zukunft momentan ist.

Deutschland hat seine Chance verpasst, ein Vorbild für Toleranz und Vielfalt in Europa zu sein"

Das die Große Koalition die Abstimmung über den Gesetzentwurf zur Änderung Art. 3 GG durch die Ergänzung des Merkmals der sexuellen Identität in dieser Legislaturperiode verhindert hat, sehe ich als schweren Rückschlag für ein offenes und tolerantes Deutschland der Zukunft.

Gerade im Hinblick auf die massiven Einschränkungen von LGBT-Rechten in anderen EU-Ländern, hätte ich mir bei diesem Thema gewünscht, dass Deutschland seine Chance nutzt, eine klare Haltung zeigt und somit ein Vorbild für die europäische Gemeinschaft ist.

Mit Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949 sollten u.a. die verfolgen Gruppen des Nationalsozialismus in Zukunft geschützt werden. Die Homosexuellen sind die einzige verfolgte Gruppe, deren Rechte über 70 Jahre später immer noch nicht im Grundgesetz festgelegt sind.


In 12 Staaten ist in der Verfassung ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität bereits festgelegt: Bolivien, Ecuador, Fiji-Inseln, Kosovo, Malta, Mexiko, Nepal, Neuseeland, Österreich, Portugal, Schweden und Südafrika.

Auf der anderen Seite werden im Jahr 2021 weltweit Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert, verfolgt, gefoltert oder getötet. In über 69 Ländern ist Homosexualität bis heute strafbar und in 7 Länder auf dieser Welt droht Menschen für homosexuelle Handlungen immer noch die Todesstrafe.

Wir brauchen endlich ein klares Zeichen, dass Homosexualität keine Krankheit oder Perversion ist, sondern ein menschliches Gefühl, dass niemand sich ausgesucht hat oder beeinflussen kann.


Mit einer kleinen persönlichen Geschichte möchte ich Ihnen das etwas veranschaulichen.

Als ich die Tage in einem Restaurant an einer belebten Straße saß und auf meine Essen wartete, sind schätzungsweise über 100 Menschen an mir vorbeigelaufen.

Die meisten sind mir gar nicht bewusst aufgefallen, aber es gibt da eben auch meinen ,,Typen“, der zwischen 20-22 J. ist, kleiner wie ich (gar nicht so einfach bei 172 cm) der mir, ohne das ich es beeinflussen kann, sofort ins Auge fällt.

Dieser Prozess findet ganz unterbewusst statt und ich habe gar keinen Einfluss ihn zu lenken.

Aber muss ich mein Gefühl jetzt unterdrücken oder muss ich wegschauen?

Nehmen wir an, mein ,,Typ“ findet mich auch interessant und sympathisch, wir lernen uns kennen, verlieben uns und sind einfach nur glücklich.

Sind wir dann eine Gefahr für unsere Gesellschaft?


Ob wir eine andere Person als physisch attraktiv bewerte bestimmen unser Gefühle und

Emotionen. Die Entstehung von menschlichen Emotionen ist ein hochkomplexer Zusammenhang von verschieden Faktoren, für die es bis heute keine allgemeingültige und einheitliche Erklärungsweise in der Wissenschaft gibt.

Das zeigt, dass wir selbst wenn wir wollten, gar nicht in der Lage sind, beeinflussen zu können, auf wen wir stehen.

Immanuel Kant sagte einmal ,,Handle so, dass deine Maxime zu einem allgemeinen Gesetz werden kann“. Wenn sich zwei Menschen gegenseitig lieben, kann das nicht falsch sein.

Es ist also richtig, dass heute in Deutschland jeder den Menschen heiraten darf, den er liebt und das dies zu einem allgemeinen Gesetz geworden ist.

Wenn ich aber Abends durch eine deutsche Großstadt laufe und in bestimmten Situationen die Hand meines Freundes loslassen muss, weil ich Angst vor verbalen oder körperlichen Angriffen habe, so sollte so etwas sicher nicht zu einem allgemeinen Gesetz werden.


Nach Angaben des Bundesinnenministerium wurden für 2020 insgesamt 204 Straftaten zum Themenfeld „Geschlecht/Sexuelle Identität“ zugeordnet. Bei den dort registrierten 40 Gewaltdelikten handelte es sich in 35 Fällen um Körperverletzungen. Im Unterthemenfeld "Sexuelle Orientierung" wurden insgesamt 578 Straftaten, davon 114 Gewaltdelikte, mit 109 Körperverletzungen registriert. Diese Taten gelten als homophob motiviert.

Insgesamt wurden in 2020 782 Straftaten von Hasskriminalität gegen LGBT registriert, darunter 154 Gewalttaten (144 Körperverletzungen). Das ist ein Anstieg von 36% gegenüber 2019.

Wenn ich abends durch eine deutsche Großstadt laufe, und die Hand meines Freundes loslassen muss, weil ich Angst vor verbalen oder körperlichen Angriffen haben muss, ist das nicht mehr das Deutschland bzw. Europa indem ich als junger offener Menschen leben möchte "

Der Staat sollte daher nicht die Rechte auf freie Entfaltung der Betroffenen einschränken, sondern diese vielmehr vor solchen Angriffen schützen und muss ein klares Zeichen gegenüber solchen Taten setzen.


Es ist auch essentiell wichtig, dass Vorurteile in unserer Gesellschaft direkt vor Ort abgebaut werden. Oft entstehen diese durch Angst vor dem Unbekannten und durch den fehlenden Kontakt zu entsprechen Personen.

Hierfür muss aber sichergestellt sein, dass ich wenn ich mit meiner Regenbogefahne am Straßenrand stehe, nicht am Ende mit gebrochen Nasenbein in der Notaufnahme lande.


Ich finde es sehr traurig, dass ich als junger Mensch im Jahr 2021 immer noch darüber nachdenken muss, welche persönlichen, privaten und evtl. beruflichen Auswirkungen es für meine Zukunft haben könnte, wenn ich meine LGBT-Flyer drucke oder mit der Regenbogenfahne auf der Brücke oder an einer Straßenecke stehe.


Ich finde, morgens im Arm der Person die du liebst aufzuwachen ist das schönste Gefühl der Welt. Dabei sollt es keine Rolle spiele, ob du auf Jungs oder Mädels stehst.

Liebe entsteht zwischen zwei Menschen und wenn sich zwei Jungs gegenseitig lieben ist das keine Schande.


Homosexualität ist keine Schande. Wer aber im Jahr 2021 mit Gewalt, Unterdrückung oder Beleidigungen darauf reagiert, ist eine Schande für unsere Gesellschaft"



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